GEMEINDEBUND
„nos pisciculi secundum ΙΧΘΥΝ nostrum Iesum Christum in aqua nascimur,
nec aliter quam in aqua permanendo salvi sumus.“
(Tertullian De Baptismo 1.3)
„Wir kleinen Fischlein werden
nach unserem großen Fisch*), Jesus Christus,
im Wasser (der Taufe) geboren
und können nicht anderes gerettet werden,
als daß wir in diesem Wasser bleiben...“
Tertullian (150–230 n. Chr.) „Über die Taufe“

*) ΙΧΘΥΣ (griechisch)
Transskription:  IChThYS
Übersetzung:  Fisch
Akronym:  Ιησουσ Χριστοσ Θεου Υιοσ Σωτηρ
= Jesus Christus, Gottes Sohn, Retter
Inhalt
Das Wort
Sorgen
2. Tim 2,19
Wo ist Kirche?
Kirche und Gemeinde
Was ist Gemeinde?
Apg 1,10-11
Aufbruch
Gemeinde
David und Goliath
Vergebung
Fehler
Die Taufe
Aufbruch Gemeinde
am Scheideweg
Pfr. Heinrich Vogel
Gemeindekirche
Hauptproblem
Freude
Kirche ist Gemeinde
Ortsgemeinde
Pflügen
Wormser Wort
Thema
Taufe und Gemeinde (1) unter Bezug auf Titus 3,4-9 – von Pfarrer Bernhard Hoppe, Pechüle-Bardenitz
Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, machte er uns selig –
nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit – durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist,
den er über uns reichlich ausgegossen hat durch Jesus Christus, unsern Heiland,
damit wir, durch dessen Gnade gerecht geworden, Erben des ewigen Lebens würden nach unsrer Hoffnung.
Das ist gewisslich wahr.
Und ich will, dass du dies mit Ernst lehrst, damit alle, die zum Glauben an Gott gekommen sind, darauf bedacht sind, sich mit guten Werken hervorzutun. Das ist gut und nützt den Menschen.
Von törichten Fragen aber, von Geschlechtsregistern, von Zank und Streit über das Gesetz halte dich fern; denn sie sind unnütz und nichtig.
(Brief an Titus, Kap 3,4-9)
Die Taufe ist neben dem Abendmahl das grundlegende Sakrament der Kirche und des Glaubens. Am Verständnis der Taufe entscheidet sich, ob Gemeinde tatsächlich Leib Christi ist.
Wo die Taufe reduziert wird auf die Mitgliedschaft in einer Art Kirchenverein mit diversen Rechten und Pflichten, da entheiligt man die Taufe. Das Wunder der Taufe besteht darin, dass in einem leibhaften Geschehen (unter fließendem Wasser und gesprochenem Wort) eine fundamentale Erneuerung des Menschen geschieht. Die Erneuerung erfolgt im Verborgenen und doch nicht unsichtbar.
Der Getaufte darf erwarten, dass Gott ihm mit der Taufe auch eine Gemeinde schenkt, in der er im Glauben wächst und von anderen Gemeindegliedern gestärkt wird. Zugespitzt kann man sagen, dass die Taufe in bestimmtem Sinn Gemeinde geradezu erzwingt. Jedoch nicht so, wie das heute oft verstanden wird – als Lebensbegleitung an den biographischen Wendepunkten durch Konfirmation, Grüne Hochzeit, Goldene Hochzeit und Beerdigung, sondern vielmehr als kontinuierliches Geschehen der Einbindung in das Leben einer Gemeinde.
Taufvergewisserung in der Gemeinde bedarf des Bezugs auf gegenwärtige und vergangene Lebenserfahrung. Eines ist für die Taufvergewisserung jedoch unnötig: Die Suche nach Bindungsmotivationen für Getaufte an eine Gemeinde über die Taufe hinaus. Gemeindeglieder sind zuerst und zuletzt Getaufte.
Das unterscheidet Kirche von allen Vereinen, dass sie nicht irgendwelche Interessen von Menschen vertritt (auch keine religiösen), sondern einzig und allein den Grund für ihr Dasein überhaupt im Auge hat: Den Herrn der Kirche – Jesus Christus – der die Getauften immer neu zu seiner Gemeinde – zu seinem Leib – zusammenruft.
Der ständige Rückbezug auf die Taufe bewahrt Kirche und Gemeinde davor, ihre Existenzberechtigung in besonderen Aktivitäten, in Lebenshilfeangeboten, in Kulturbeiträgen oder in Wertediskursen vor der Welt nachweisen zu wollen. Die „guten Werke“ begründen Kirche und Gemeinde nicht, sondern sie folgen der Taufe. Gott stärkt durch die rechte Verkündigung den Glauben von Getauften. Getaufte werden der Erneuerung im Heiligen Geist in der Gemeinschaft mit anderen Getauften gewiss. Wo die Taufe als Grundlage von Kirche und Gemeinde gesehen und die Getauften im Glauben bestärkt werden, da erwächst eine große Freiheit, das zu tun, was die Welt nötig hat.
Taufe und Gemeinde (2)
Jesu Taufe – Unsere Taufe
unter Bezug auf Mt 3,13-17 – von Martin Gestrich, Päwesin
Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe.
Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf wohl, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir?
Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt also geschehen, denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er's ihm zu.
Und da Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser, Und siehe, da tat sich der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen.
Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies is mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.
(Mt 3,13-17)
(1) Ich wage es und sage: Jesu Taufe ist unsere Taufe!“ Das sind große Worte für eine große Sache! Aber ich glaube daran. Dass wir hinkommen ans Wasser wie er – und dass es nicht davon abhängt, ob der Taufende über uns steht oder nicht, ja, dass der Taufende(!) es „geschehen lassen“ muss, auch wenn ihm bewusst ist, nicht würdig zu sein des Taufens. „Damit alle Gerechtigkeit erfüllt werde.“ In eben diesem unserem (seinem) Getauftwerden wird sie erfüllt!
Mit zitternder Hand vollzieht Johannes die Taufe: Er, der er bislang immer gelehrt hatte, durch den Lebenswandel der Bekehrten werde die Gerechtigkeit erfüllt … Begreift er, dass er alle Gerechtigkeit dadurch erfüllt, dass er tauft?
ICHTHYS ZONTON
Christliche Grabstele mit Inschrift
„Fisch der Lebenden“
Rom, um 200 n. Chr.
(2) Das Auftauchen aus dem Wasser ist demnach neues Leben. Es ist Schöpfung wie im Anfang. (Luther hat betont, dass ein Taufritus, der auf das Untertauchen verzichtet, unvollkommen sei. Vielleicht sollte man wirklich die gängige Praxis überdenken …) Es ist „Leben nach dem Tod“, Sterben wird kein Verhängnis mehr sein – und Leben ist unverlierbar. Könnte es deshalb nicht mutig eingesetzt werden für andere?
(3) Gleichzeitig öffnet sich der Himmel. Ob vor Zeugen oder nur über dem Getauften allein, ist (textkritisch) bekanntlich schwierig zu sagen … Wichtiger als diese Frage aber ist die Taube. Die Taube Noahs. Der Geist, der über den Wassern schwebt. Jeder Schritt in dieses neue Leben, jeder Schritt in diesem neuen Leben (und wohl auch jeder Umweg) ist ein Schritt in dieser Vollmacht, dass Gottes Geist gegeben wurde, auf dass er in und durch uns da sei. Traut uns Gott da nicht sehr viel zu?
(4) Und dann die Stimme, allen Umstehenden hörbar: „Das ist mein liebes Kind, an dem ich Wohlgefallen habe!“ Und dies als Gotteswort. Wie ein Gesetz der Meder und Perser nicht mehr widerrufbar! Und das am Anfang des neuen Weges – und nicht erst am Ziel, als Belohnung! In der Kraft dieser Worte, ist Jesus seinen Weg gegangen bis ans Kreuz. In der Kraft dieser selben Worte gehen wir den unseren!
Mir läge daran, dass in den Gemeinden das Bewusstsein von der Größe der Vollmacht lebendig ist: Der unumschränkten Vollmacht, die uns die Taufe bringt!

„Nun wird die Qualität der Evangelischen Kirche an zwei Aufgaben erkannt:
1. dass sie den Menschen im Licht der Taufe das ewige Leben als Gottes Gnadengabe mitten in diesem zeitlichen Leben erschließt;
2. dass sie den Menschen im Licht des Abendmahls die Vergebung der Sünde allein aus Gnade um Christi willen verkündigt.
Alles andere können Sozialagenturen, Bildungsinstitutionen und dergleichen genauso gut und meist noch besser.“
Christian Möller
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