GEMEINDEBUND
Inhalt
Das Wort
Sorgen
2. Tim 2,19
Wo ist Kirche?
Kirche und Gemeinde
Was ist Gemeinde?
Apg 1,10-11
Aufbruch
Gemeinde
David und Goliath
Vergebung
Fehler
Die Taufe
Aufbruch Gemeinde
am Scheideweg
Pfr. Heinrich Vogel
Gemeindekirche
Hauptproblem
Freude
Kirche ist Gemeinde
Ortsgemeinde
Pflügen
Wormser Wort
Andacht
David und Goliath zur Gründungsversammlung am 20. September 2008 – von Pfr. Bernhard Hoppe
David aber sprach zu dem Philister: Du kommst zu mir mit Schwert, Lanze und Spieß, ich aber komme zu dir im Namen des HERRN Zebaoth, des Gottes des Heeres Israels, den du verhöhnt hast.
(1. Sam. 17,45)
Liebe Schwestern und Brüder,
der Vers, der über dieser Andacht steht, lässt uns die Tiefe des Gegensatzes zwischen dem großen Goliath und dem kleinen David erkennen. Was vor Augen ist, erschließt diese Tiefe noch nicht. Groß und klein, stark und schwach, jung und erfahren – das sind nur vermeintlich wichtige Gegensätze. Der eigentliche Gegensatz wird erst im Finale der Erzählung im Munde Davids hörbar. Goliath kämpft in seinem eigenen Namen, David hingegen im Namen Gottes. Bevor dieser alles entscheidende Gegensatz kurz vor dem Kampf ausgesprochen wird, malt die Erzählung die äußeren Kontraste vor die inneren Augen des Hörers. Es wird mehrfach betont, dass David jung ist, der Pharisäer Goliath hingegen ein erfahrener Kriegsmann. David ist der jüngste Sohn Isais. Er darf die Schafe des Vaters hüten, während seine drei ältesten Brüder mit König Saul in den Krieg gezogen sind. Der Vater traut ihm immerhin zu, seinen Brüdern ein Paket mit Lebensmitteln an die Front zu bringen. schreckenerregend ist es an der Front allemal. Es heißt: „Der Philister kam heraus frühmorgens und abends und stellte sich hin.“ Sein Anblick war grauenhaft: riesige Gestalt, riesiger Helm, schwerer Panzer, Eisenschienen an den Beinen, Wurfspieß auf der Schulter, Schildträger voran. Das war noch nicht alles: Er verhöhnt die Israeliten, indem er sie auffordert, ihnen einen Mann zu schicken, mit dem er es aufnehmen könne. Reaktion der Israeliten: Sie fliehen und fürchten sich, einschließlich des Königs. David erkundigt sich derweil, was der bekommt, der ihn besiegt. König Saul erfährt von dem jungen Mann und lässt ihn rufen. Seine erste Reaktion: „Du bist zu jung.“ Interessant, wie David darauf antwortet: Er erzählt von seinen Erfahrungen beim Schafehüten: „Wenn ein Löwe oder ein Bär kam und ein Schaf wegtrug, dann lief ich ihm nach, schlug auf ihn ein und errettete es aus seinem Maul. Wie Löwe und Bär soll es dem Philister ergehen.“ König Saul beeindruckt der Mut des jungen Mannes. Einen Kampf kann er sich freilich nur mit militärischen Mitteln vorstellen. Voller Skepsis legt er ihm seine große Rüstung an – für David viel zu schwer. David legt sie ab und sammelt statt dessen fünf Steine in seine Hirtentasche. Mit seiner Schleuder kennt er sich aus. David schöpft seinen Mut aus zurückliegender Erfahrung. In den Psalmen bildet der Rückblick auf bereits Geschehenes ein wichtiges Element der Glaubensvergewisserung. „Ich harre des Herrn.“ heißt es da beispielsweise. Der Beter hofft auf das, was Gott gesagt und getan hat. Wo das geschieht, regiert Glaube.
David als Hirtenjunge von Donatello
David von Donatello
David ist von tiefer Zuversicht erfüllt als er zu Saul sagt: „Der Herr, der mich von dem Löwen und dem Bären errettet hat, der wird mich auch erretten von diesem Philister.“ Diese Zuversicht ist da, auch wenn ihn weit und breit keine Mehrheiten in seinem Vorhaben bestätigen. David geht mit Hirtentasche und Minischleuder in einen Kampf, der vor seinem Beginn entschieden scheint – für Goliath, gegen David. Und doch bricht David der strotzenden Übermacht vor dem Kampf die Spitze ab. Er behauptet das Immanuel – das „Gott mit uns“, das im Vorhinein nie bejubelt, sondern nur erhofft, geglaubt, erbeten sein kann und das auch nie Sache von vielen ist. Nicht Schwert, Lanze und Spieß geben David Hoffnung auf den Sieg, sondern die Kundmachung des Gottes, den Goliath verflucht und verhöhnt. Der Stein aus der Schleuder Davids trifft den wunden Punkt bei Goliath. Der Riese geht in die Knie. Das vermeintliche Kinderspielzeug erweist sich als kampfentscheidend.
Die Erzählung von David und Goliath ist keine Passionsgeschichte, aber auch keine Heldengeschichte. David erfährt schon hier – als junger Mann – die Infragestellung seiner Person. Sein Bruder Eliab begegnet ihm im Zorn, übrigens der Bruder, den ein Kapitel vorher der Prophet Samuel wegen seines beeindruckenden, hohen Wuchses fälschlicherweise für den zu salbenden neuen König hielt. Als Eliab David an der Front erblickt, ruft er aus: „Warum bist du hier? Du vernachlässigst die Schafe! Ich kenne deine Vermessenheit und deines Herzens Bosheit.“ Einer aus dem Geschlecht Isais wird sich Jahrhunderte später noch ganz andere Dinge anhören müssen und man wird ihn kreuzigen – sein Name: Jesus Christus. Wo Gott am Werke ist, da sieht es nicht nach Erfolgen aus, nach Siegen, nach geborenen Helden. Wo Gott am Werke ist, da rasseln die Rüstungen der Riesen, da lehren die Worte der Bedränger das Fürchten, da bezweifeln die Experten den Sinn, da winken die Massen ab. Wo Gott am Werke ist, da geschieht es jedoch, dass Kleine groß werden, Ängstliche tapfer, Unerfahrene erfahren, Mutlose mutig.
Mögen wir in der Kirche und in den Gemeinden neu lernen, dass gerade da, wo uns die Riesen erschrecken und der Hohn uns verunsichert, Gott uns nahe ist. Israel war immer wieder in der Glaubensschule der Niedrigkeit. Die Hohen und Erhabenen lässt Gott zu Grunde gehen. Den Kleinen, Unscheinbaren und vermeintlich Machtlosen zeigt er Wege, die weiterführen. Nach dem Kampf fragte der König, woher denn der Junge käme. Keiner wusste es. Der König musste ihn selbst fragen. Es sind die abseits Stehenden und Unbedeutenden, die Gott zu Ehren bringt. Es ist Gottes Art, die ins Gespräch zu bringen, die nicht im eigenen Namen am Werke sind.
Amen
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