GEMEINDEBUND
Inhalt
Das Wort
Sorgen
2. Tim 2,19
Wo ist Kirche?
Kirche und Gemeinde
Was ist Gemeinde?
Apg 1,10-11
Aufbruch
Gemeinde
David und Goliath
Vergebung
Fehler
Die Taufe
Aufbruch Gemeinde
am Scheideweg
Pfr. Heinrich Vogel
Gemeindekirche
Hauptproblem
Freude
Kirche ist Gemeinde
Ortsgemeinde
Pflügen
Wormser Wort
Predigt
zu 2. Thessalonicher 3, 1–5 am 22. Juni 2008 in Flecken Zechlin – von Pfr. Martin Gestrich
Liebe Schwestern und Brüder,
es soll so sein.
Der Gottesdienst am Wochenende des 5. Sonntags nach Trinitatis handelt vom Aufbruch –
vom gemeinsamen Aufbruch.
Weg von allem, was man hatte und kannte, weil Gott ruft.
Weil sich eine heilige Überzeugung verbreitet: Wir können nicht bleiben.
Wir haben keine Ruhe mehr.
Jetzt nicht mehr.
Durchquerung des Schilfmeers
So ging Abraham mit Sarah aus dem Land der vielen Götter davon, um dem einen Gott treu zu sein.
So brach das Volk aus Ägypten auf zu seinem Zug durch die Wüste.
So ließen Petrus und die Seinen die Boote, die Fische und alles zurück, um Menschenfischer zu werden.
Sie brachen auf, und es waren Worte, nichts als Worte der Verheißung, die sie trieben. So dass sie alle einmal die Wahl hatten: Bleibe ich bei dem Gewohnten? Oder binde ich mich an das Wort, das ich gehört habe, weil ich glaube, dass es Gottes Wort ist für mich? Die Wahl war klar. Sie brachen auf.
Unterwegs kamen dann freilich die Zweifel:
Was mache ich da? Bin ich verrückt? Wie konnte ich das alles zurücklassen? Wie konnte ich mich – wie konnten wir uns in solche Gefahren und Schwierigkeiten bringen?
Rückschläge. Verzögerungen …
Abraham hat die große Schar seiner Nachkommen, die ihm verheißen war, nicht gesehen.
Die Israeliten, die aus Ägypten aufbrachen, haben das gelobte Land nicht gesehen.
Und am Ende des Weges der Menschenfischer mit dem, der sie berufen hatte, stand das Kreuz.
Hätten sie lieber nicht aufbrechen sollen?
In der Predigt ist mir wichtig, eines zu betonen:
Ein Aufbruch mit Gott – das ist etwas Gemeinsames.
Und dieses, dass wir vor Gott und durch Gott und mit Gott gemeinsam gehen, wenn wir seine Stimme hören sollten, das ist zugleich das, was uns stärkt.
Ja, ich sage „wir“. Ich sage: Das betrifft wohl auch uns, dass wir aufbrechen. Denn es gibt auch Aufbrüche, da bleibt man zwar, wo man ist, aber es wird trotzdem alles anders.
Ich lese Worte aus dem dritten Kapitel des 2. Briefes an die Thessalonicher (Kap 3) frei nach HfA:
1 … liebe Brüder und Schwestern, betet bitte für uns, damit die Botschaft des Herrn sich verbreitet und überall mit Dank gegen Gott angenommen wird – wie schon bei euch. 2 Bittet Gott auch darum, er möge uns vor den Angriffen verrückter und boshafter Menschen schützen; denn nicht jeder will dem Herrn vertrauen. 3 Gott aber ist treu. Er wird euch Mut und Kraft geben und euch vor allem Bösen bewahren.
Ich lege das aus in drei Schritten:
1. Schritt
Betet bitte für uns.
Wir bitten, dass ihr für uns bittet. Eine Gemeinde für die andere. Das ist nicht leicht: Fürbitte halten. Das ist so schwer, für sich selber was zu bitten: Was soll, was darf man sich von Gott wünschen? Gott weiß doch alles, wie es uns geht und was wir brauchen. Wenn es uns schlecht geht und wir nicht haben, was wir brauchen – vielleicht muss das dann von Gott her so sein. Vielleicht muss man das aushalten? Vielleicht ist das der Auftrag … So denken manche und bitten nicht.
Für andere zu bitten, ist schon etwas leichter. Man muss allerdings sehr genau hinschauen: Wie geht es denen? Was fehlt ihnen? Können sie ihr Schicksal noch tragen – oder geht das hier über ihre Kraft? Wenn es zu viel ist, ist es zuviel. Dann lasst uns Gott doch bitten, dass er ihnen hilft.
Betet bitte für uns. Das ist allerdings noch mal etwas ganz anderes. Um Fürbitte bitten. Beten, dass die anderen für einen beten. Den anderen sagen: Wir beten, dass ihr für uns betet. Dass ihr uns seht. Dass ihr hinschaut und wisst, wie es uns geht. So wie wir hinschauen und sehen, wie es euch geht.
Zu wissen, die anderen sehen uns, sie beten heute für uns, im Gottesdienst und zu Hause: Ich glaube, wir können leichter aufbrechen, wenn wir wissen, dass das in großer Treue geschieht. Wenn wir uns gegenseitig diese Wohltat erweisen.
Betet bitte für uns, damit die Botschaft des Herrn sich verbreitet und überall mit Dank gegen Gott angenommen wird – wie schon bei euch.
Das ist das Gemeindegebet. Die Botschaft des Herrn soll sich verbreiten und überall mit Dank gegen Gott angenommen werden. Dann geht's der Gemeinde sehr, sehr gut. Wenn das bei euch gelingt, in eurer Gemeinde, wenn bei euch der Glaube sich festigt und das Wort läuft, dann bittet, bittet Gott, dass wir das auch erleben. Denn unsere Gemeinde nimmt ab, und die Botschaft findet verschlossene Türen und versteinerte Herzen.
Wissen Sie, was ich glaube? Schon dadurch, dass wir das lernen, um Fürbitte zu bitten, schon dadurch wird sich viel bewegen und bessern, weil uns auf einmal klar wird, was uns fehlt. Und wenn dann erst gebetet wird, dann wird manche Not in den Gemeinden sich wenden.
2. Schritt
Bittet Gott auch darum, er möge uns vor den Angriffen verrückter und boshafter Menschen schützen; denn nicht jeder will dem Herrn vertrauen.
Was sind das für Angriffe? Was ist gemeint? Angriffe auf die Gemeinden … Versuche, die Gemeinden, die da rufen: Bittet für uns, zu etwas zu bringen, das mit Gottvertrauen nicht viel zu tun hat …
Gibt es das – im Jahr 2008?
Dazu mag jeder seine Gedanken haben.
Ich will soviel sagen: Es gibt ein Gefühl der Bedrängnis in den Gemeinden. Dass sie sich behandelt fühlen wie ein alter und schwacher Mensch, den niemand pflegen will, und über dessen Zukunft bestimmt wird, ohne dass man ihn fragt …
Was aber, wenn dieser Mensch zu Kräften kommt und sein Schicksal in die Hand nimmt und feierlich erklärt: Ich lebe lieber in meinen eigenen vier Wänden und koche selbst, als dass ich ein einem blankgeputzten Heim in einem Sessel sitze und mich füttern lasse, und es ist mir egal, ob es euch bei mir gefällt oder nicht. Und ich nehme es lieber hin, dass mir einmal etwas zustößt und dass mir mancher Handgriff wehtut, als meine Tage angeschnallt und sicher in einem Rollstuhl zu verbringen.
Also, ich kenne nicht wenige, die wunderbar zurecht gekommen sind, nachdem sie das einmal klargestellt haben.
Aber was sind das für Leute, die die Gemeinde bedrängen? Die Bibel nennt sie schlicht „verrückt“. Das muss man wörtlich verstehen Ver - rückt, das heißt von der Stelle gerückt. Nicht mehr am ursprünglichen Ort, sodass die ursprüngliche Überzeugung, der Glaube des Anfangs, der einstige Auftrag in dem, was sie tun, nicht mehr dieselbe Rolle spielt.
An die Stelle des Vertrauens von damals ist unter der Hand etwas anderes getreten: Kontrolle. „Wir wollen nicht, müssen aber leider euch kontrollieren“, so wird gesagt, „Es ist zu eurem Besten. Und seht doch, welch eine große Macht hinter uns steht. Es ist die Mehrheit. Nehmt doch Vernunft an und fügt euch endlich.“
3. Schritt
Kontrolle ist das Ende des Vertrauens. Es ist zugleich das Ende der Treue. Bei denen, die sich kontrollieren lassen, steht an der Stelle des Treuseins das Sichfügen. Sichfügen im Sinne von: Funktionieren.
Treusein – Sichfügen … Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied. Von außen freilich kaum zu erkennen. Was tun, wenn man nicht mehr treusein kann, nicht mehr treusein soll, sondern funktionieren?
Ich lese:
Gott aber ist treu. Er wird euch Mut und Kraft geben und euch vor allem Bösen bewahren.
Wenn also die Treue in Frage gestellt wird, ihr Lieben, die Treue der Gemeinden, die Treue, in der der Dienst gemacht wird, ohne dass jemand das überwacht und berechnet und evaluiert … dann gehen wir zu Gott.
Wenn das alles angeblich keinen Wert mehr hat: Dann gehen wir mit fliegenden Fahnen zu Gott über. Denn der ist und bleibt treu. Und der wird uns bewahren. Da ist die Quelle. Da wird unsere Treue immer wieder neu.
Ob wir das gelobte Land sehen? Ob wir in der Fremde sterben?
Gott befohlen, ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass wir im Aufbruch sind. Ich weiß auch, dass wir anfangen müssen, füreinander zu beten. Und einander zu sagen, die einen den anderen, was sie für sie bitten sollen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen
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