GEMEINDEBUND
Inhalt
Das Wort
Sorgen
2. Tim 2,19
Wo ist Kirche?
Kirche und Gemeinde
Was ist Gemeinde?
Apg 1,10-11
Aufbruch
Gemeinde
David und Goliath
Vergebung
Fehler
Die Taufe
Aufbruch Gemeinde
am Scheideweg
Pfr. Heinrich Vogel
Gemeindekirche
Hauptproblem
Freude
Kirche ist Gemeinde
Ortsgemeinde
Pflügen
Wormser Wort
Theologie
Andacht zu 2.Tim 2,19 – von Martin Gestrich
„Der feste Grund Gottes besteht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die Seinen; und: Es lasse ab von Ungerechtigkeit, wer den Namen des Herrn nennt.“
1 Der feste Grund Gottes besteht! Ein Fundament in der Tiefe. Nicht sichtbar, aber tragend. Auch dann bereit, zu tragen, wenn oben alles schwankt. Auch dann bereit, zu tragen, wenn wieder neu gemauert werden muss, was zusammenbrach.
Der feste Grund Gottes besteht. Das wirkt sich aus. Das schafft Wirklichkeit. Das besiegelt Tatsachen. Da ist ein Siegel: Das steht für ein Geben und Nehmen. Das schenkt und das fordert, wie das bei Verträgen ist: „Der Herr kennt die Seinen.“ Das ist die eine Hälfte des Siegels. Gottes Hälfte. „Es lasse ab von Ungerechtigkeit, wer den Namen des Herrn nennt.“ Das ist die andere.
Zuspruch und Anspruch – als Gottes Wort hineingesprochen in die ersten Auseinandersetzungen der ersten Kirche. Notwendige Auseinandersetzungen!
Und deswegen einerseits überschießend in hellem, leuchtendem Gottvertrauen, bei gleichzeitigem Misstrauen allem Menschlichen gegenüber. „Der Herr kennt die Seinen“, obschon es vorkommen mag, dass die, die seinen Namen nennen, Ungerechtigkeit üben.
Diese wunderbare Asymmetrie ist ja typisch für den zweiten Timotheusbrief. Nicht wahr: „Sind wir untreu, so bleibt er doch treu, denn er kann sich nicht selbst verleugnen.“ (2,13)
2 Nun treten wir näher. Dann sehen wir mehr. Wir sehen und spüren, wie viel Kampf in unserem Spruch liegt. Ringen um einen gemeinsamen Weg vor Gott. Ringen um richtig und falsch in der Kirche.
„Der Herr kennt die Seinen.“ Seit langem wird auf die Verbindung dieser Worte hingewiesen – hin zur Wüstenwanderung als dem Prototyp aller Kirchengeschichte, der Wüstenwanderung und ihrem dramatischen Tiefpunkt oder sollte ich sagen: Höhepunkt: Dem Untergang der Rotte Korach (4. Mose 16)! „Der Herr kennt die Seinen.“ Darum wird Gegensätzliches nicht ewig nebeneinander stehen in seinem Reich. Darum wird sich erweisen, wer wer ist, im Gang der Dinge.
Sie kommen mit ihren Räucherpfannen, überzeugt von ihrem Recht, wenn sie sagen: Die ganze Gemeinde sei heilig und wozu diese Exklusivität der Führer? Wozu ein Aaron, wozu ein Mose? Sie wollen einen Anteil an der Macht. Sie glauben Gott auf ihrer Seite. Und nie hat sich jemand grausamer getäuscht als Korach und seine Mitverschwörer, Datan und Abiram, und ihre Sippen.
„Vom Erdboden verschluckt“, diese Redensart hat hier ihren Ursprung. Diese Härte müssen wir aus den Worten heraushören, gerade wir Gemeindebündler, als eine kräftige Warnung: „Es kennt der Herr die Seinen.“ Wer mit Anmaßung auftritt, neidisch schielt nach der Autorität anderer, gehört nicht dazu.
3 Auch das Wort von der Ungerechtigkeit („Es lasse ab von Ungerechtigkeit, wer den Namen des Herrn nennt“) gewinnt bei näherem Hinsehen Kontur:
Da ist die Ketzerei des Hymenäus und des Philetus (2,17). Paulus warnt Timotheus davor. Warum? Sie sagen: Das Initial der Kirche, das Wunder der Auferstehung, der Osterglaube – das sei so etwas wie kulturelles Erbe aus verflossenen Zeiten, das es zu verwalten gelte. Falsch, sagt Paulus. Die Auferstehung ist nicht das, was war. Sie ist das, was kommt. Wir nehmen unsere Kraft nicht aus Vergangenem, sondern aus Künftigem, und sie wird größer mit jedem Schritt, den wir unserem Herrn entgegen tun.
Gottes Wort gibt uns Kraft. Und es zeigt uns den Weg: „Der feste Grund Gottes besteht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die Seinen; und: Es lasse ab von Ungerechtigkeit, wer den Namen des Herrn nennt.“
Scylla und Charybdis erscheinen in diesen Worten. Auf der einen Seite die Gefahr, die Autorität trotzig anzugreifen, einfach nur, weil sie die Autorität ist. Und auf der anderen Seite die Gefahr, sich in einem zu blinden Vertrauen auf die Autorität (oder einem fatalistischen Hinnehmen derselben) den klaren Blick aufs Evangelium zu verbauen. Unsere Fahrt geht da mitten hindurch. Gebe Gott, dass wir Kurs halten! Amen.
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