GEMEINDEBUND
Inhalt
Das Wort
Sorgen
2. Tim 2,19
Wo ist Kirche?
Kirche und Gemeinde
Was ist Gemeinde?
Apg 1,10-11
Aufbruch
Gemeinde
David und Goliath
Vergebung
Fehler
Die Taufe
Aufbruch Gemeinde
am Scheideweg
Pfr. Heinrich Vogel
Gemeindekirche
Hauptproblem
Freude
Kirche ist Gemeinde
Ortsgemeinde
Pflügen
Wormser Wort
Theologie
Andacht zu Mt 6,24.33-34 zum 2. Treffen des Gemeindebundes am 12.1.2008 – von Bernhard Hoppe
Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird dem einen anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen.
Darum sorget nicht für den andern Morgen, denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe.
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gäste!
Es ist modern, sich Sorgen zu machen. Gründe für das Sorgen finden sich genug: Die junge Generation, die alte Generation, die Generation nach uns. Um alle diese soll man sich Sorgen machen. Sorgen macht man sich heute auch über Kirche und Gemeinde. „Denk ich an die Gemeinde in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.“ So kann man Heines Gedicht abwandeln, wenn einem die statistische Zukunft vieler Gemeinden vor Augen steht: Weniger Gemeindeglieder, weniger Einnahmen, weniger Stellen, weniger Gemeindeleben. Jesus kämpft an gegen das Sorgen um den morgigen Tag. Er sagt: Überlasst das Sorgen Gott!
Die Dinge so einfach Gott zu überlassen, erscheint vielen unverantwortlich. Sich um nichts zu kümmern? Das geht doch nicht! Man muss sich absichern – technisch, finanziell, rechtlich und gesundheitlich. Auch in Kirche und Gemeinde. Die Möglichkeiten, sich abzusichern, sind bei näherer Betrachtung freilich begrenzt. Es fängt damit an, dass der Mensch als hilfloses Wesen auf die Erde kommt. Es wird niemand behaupten, dass er sich als Kind vor allen Gefahren und Abgründen hat selbst bewahren können. Auch der Erwachsene kennt viele Stunden des Tages, an denen er sich um gar nichts kümmern kann. Dann nämlich, wenn er schläft. Nicht zu schlafen – das weiß jeder – macht auf Dauer krank. Jesus will wache Christen haben. Aber sie sollen auch gut schlafen, damit Körper und Geist in der Entspannung neu zu Kräften kommen.
Die Bilanz des Sorgens ist für die Sorge selbst ernüchternd: Keiner schafft es, sich auf Dauer Sorgen zu machen. Selbst wenn es jemanden gäbe, der es versuchte, er würde es nicht durchhalten. Entweder würde er bald erschöpft niedersinken oder etwas Erfreuliches würde ihn die Sorge vergessen lassen. Der Mensch kann sich nicht unentwegt sorgen, auch der Mensch in Kirche und Gemeinde nicht. Gott muss es tun und er tut es auch, selbst wenn nur wenige ihm dafür danken und sich darüber freuen. Wenn Gott sorgt, so findet der Mensch Frieden und Ruhe. Wenn sich der Mensch sorgt, so macht er sich das Leben viel schwerer als es ist. Er macht zuletzt nicht nur sich selbst traurig, sondern auch alle die, die um ihn sind.
Was aber bedeutet es für Kirche und Gemeinde, von aller Sorge frei zu werden? Manch einer mag sich das gar nicht vorstellen. Sorge kann ein ganzes Menschenleben ausfüllen. Alles planen, alle Entwicklungen abschätzen, alle Gefahren abwehren zu wollen – da hat man zu tun. Erst recht, wenn es um die eine, heilige, allgemeine und apostolische Kirche geht. Es hat Folgen, wenn Christen von Jesus lernen, das Sorgen Gott zu überlassen.
Das erste ist: Der Christ wird frei für seine Mitmenschen. Der Christ, der sich Sorgen macht, muss tausend Probleme bedenken, ehe er sich wirklich dem anderen zuwenden kann. Wer schon einmal einen überlasteten Pfarrer erlebt hat, der weiß, wovon ich rede. Wie wäre es, wenn wir Ernst machten mit Jesu Aufruf Gott das Sorgen zu überlassen? Es könnte sein, dass aus der echten Zuwendung zum anderen den Christen selbst neue Kräfte zuwachsen. Es könnte sein, dass Gottes Wort erfrischt und fröhliche Leute macht, weil es von Menschen gesagt wird, die sich nicht selbst absichern. Es könnte sein, dass Gemeinden wieder nach außen wirken, weil man ihnen anmerkt, dass sie auf Gutes bedacht sind gegenüber jedermann.
Das zweite ist: Der Christ wird frei im Umgang mit Geld. Wer sich schon einmal um sein Geld Sorgen gemacht hat, weiß, wie schnell es alle oder weg sein kann. Wie wäre es, wenn die Christen Ernst machten, mit Jesu Aufruf, sich nicht den Geldsorgen zu unterwerfen? Es könnte sein, dass die eigentliche Bestimmung von Kirche und Gemeinde ihnen neu zu Bewusstsein kommt. Es könnte sein, dass statt des ängstlichen Berechnens von Einnahmen und Ausgaben sich den Gemeinden ganz neue Quellen auftun, mit denen sie nicht gerechnet haben. Es könnte sein, dass das Geld gerade da mehr wird, wo Armen das Evangelium gepredigt wird und Reiche anfangen, nicht mehr dem Geld, sondern der Gemeinde zu dienen.
„Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ Dieser Satz aus dem ersten Petrusbrief fasst Jesu Worte aus der Bergpredigt noch einmal in ein Bild: Die Sorge ist der Ballast des Lebens, das überflüssige Gepäck, die ermüdende Last, die Bürde von Kirche und Gemeinde. Diesen Ballast nimmt Jesus den Seinen ab, damit sie für das Eigentliche frei werden. Das Eigentliche ist Gottes Reich, in dem das Gewissen frei, die Schuld vergeben und der Tod überwunden wird. In dieses Reich nimmt Jesus die Seinen schon heute hinein. Gottes Reich kommt nicht irgendwann später, sondern es ist schon mitten unter uns durch Gottes Wort. Es ist das Manna, das lebendige Brot für jeden Tag, die Gabe Gottes, die nicht aufgespart werden kann. Darum ruft Jesus uns zu: Sorget nicht für morgen.
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