GEMEINDEBUND
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Forum
Stellungnahme
GEMEINDEBUND
Taube
Kirchenstreit in Temnitz (Kirchenkreis Wittstock-Ruppin) beigelegt
Kompromiss mit Pfarrer Scheidacker und der Ev. Kirchengemeinde Manker-Temnitztal am 17. März gefunden
Pfarrer Scheidacker und Gemeindepädagoge Hikel hatten im vorletzten Jahr den Kompromiss in dem auf der Grundlage des landeskirchlichen Strategiepapiers „Salz der Erde“ modellhaft umgestalteten Reformkirchenkreis Wittstock-Ruppin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) ermöglicht, den der Gemeindebund und die selbständigen Gemeinden der Sprengel Papenbruch und Zechlin gefordert hatten.
Daraufhin beantragte der Kreiskirchenrat die Abberufung von Pfarrer Scheidacker und Gemeindepädagogen Hikel wegen angeblich fehlenden gedeihlichen Wirkens in der Gemeinde. Bischof Dr. Wolfgang Huber beteiligte sich persönlich mehrfach und bis hin zum „Wort an die Synode“ am Abberufungsverfahren. Pfarrer Scheidacker ließ sich jedoch nicht beeindrucken, sondern führte den letztlich von der Kirchenleitung erlassenen Abberufungsbescheid der kirchengerichtlichen Kontrolle zu.
Das Kirchengericht unter dem Vorsitz des Vorsitzenden Richters am Bundesverwaltungsgericht Golze gab Pfarrer Scheidacker unter reger Anteilnahme der kirchlichen Öffentlichkeit im Oktober 2010 im Plenarsaal des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg Recht. Es hob die Abberufung auf, weil der Kreiskirchenrat es unterlassen hatte, Pfarrer Scheidacker vor dem Beschluss über den Abberufungsantrag anzuhören. Da sich der Kreiskirchenrat mit seinem Beschluss in Richtung Abberufung festlegte, war der Anhörungsfehler nicht im weiteren Verfahren zu heilen, sondern es ist aus der Sicht des Gerichts zwingend erforderlich, dass ein Abberufungsverfahren wirklich mit der Anhörung des betroffenen Pfarrers beginnt, woran es hier fehlte.
Das Urteil wurde rechtskräftig. Das Konsistorium und der Superintendent waren zunächst entschlossen, ein erneutes Abberufungsverfahren gegen Pfarrer Scheidacker anzustrengen und ließen ihn in Erwartung dessen ungeachtet des inzwischen rechtskräftigen Urteils weiter beurlaubt. Zu einem Kompromiss waren sie nur bereit, wenn er seine Gemeindepfarrstelle aufgegeben und den Kirchenkreis Wittstock-Ruppin verlassen hätte. Das wäre aber weder für ihn noch für die Ev. Kirchengemeinde Manker-Temnitztal, die ihn unbedingt als Gemeindepfarrer behalten und nicht länger im Kirchenkreis Wittstock-Ruppin und in der Ev. Gesamtkirchengemeinde Temnitz verbleiben wollte, akzeptabel gewesen, da er damit im Ergebnis seine Abberufung selbst bewilligt hätte und die Ev. Kirchengemeinde Manker-Temnitztal weiter von Kirchenkreis und Gesamtkirchengemeinde abhängig geblieben wäre.
Unter Vermittlung der neuen Generalsuperintendentin des Sprengels Potsdam, Heilgard Asmus, konnte nunmehr ein Kompromiss erreicht werden, der alle Beteiligten vollauf befriedigt. Der Kompromiss sieht vor, dass Pfarrer Scheidacker der zuständige Geistliche der Ev. Kirchengemeinde Manker-Temnitztal bleibt. Gleichzeitig erhält diese einen Sonderhaushalt zur ausschließlich eigenen Bewirtschaftung, der so gut wie alle Haushaltspositionen umfasst, die der Gemeinde vor der Fusion zur Ev. Gesamtkirchengemeinde Temnitz zustanden.
Darüber hinaus ist Pfarrer Scheidacker mit der Verwaltung der Pfarrstelle des Pfarrsprengels Segeletz (Kirchenkreis Kyritz-Wusterhausen) beauftragt worden, der unmittelbar an die Ev. Kirchengemeinde Manker-Temnitztal angrenzt. Die dortige Pfarrstelle ist derzeit frei und soll Pfarrer Scheidacker nach einer Bewerbung dorthin auch endgültig übertragen werden. Bis dahin behält er seine Mitgliedschaft in der Kreissynode Wittstock-Ruppin und in der Landessynode sowie in den jeweiligen synodalen Ausschüssen.
Da bis 2014 die Kirchenkreise Kyritz-Wusterhausen und Wittstock-Ruppin fusionieren sollen, ist denkbar, dass die Ev. Kirchengemeinde Manker-Temnitztal mit dem Pfarrsprengel Segeletz vereinigt werden kann. Der weitere Lauf der Dinge wird es zeigen, ob sich die Ev. Kirchengemeinde Manker-Temnitztal in Richtung Segeletz oder wieder zurück in Richtung Ev. Gesamtkirchengemeinde Temnitz entwickelt. Der jetzt geschlossene Kompromiss ermöglicht beides.
Die auf der Grundlage des landeskirchlichen Strategiepapiers „Salz der Erde“ im Kirchenkreis Wittstock-Ruppin durchgeführte Kirchenreform ist zwar bis 2013 befristet, es ist aber anzunehmen, dass die Landessynode die Befristung noch um ein paar Jahre verlängern wird, ohne dass sonst erhebliche Veränderungen der Reform vorgenommen werden. Die endgültige Entscheidung über das Schicksal der Reform wird also zu einem Zeitpunkt erst nach der geplanten Kirchenkreisfusion 2014 stattfinden. Dann kann aber nach dem jetzt gefundenen Kompromiss als sicher gelten, dass Pfarrer Scheidacker und die Ev. Kirchengemeinde Manker-Temnitztal ihre Reformkritik wieder mit Sitz und Stimme in den entscheidenden Gremien zur Geltung bringen können werden.
Berlin, den 18. März 2011
Georg Hoffmann
Vorsitzender
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