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Presseerklärung vom 15. September 2010
Pfarrer Scheidacker gewinnt im Abberufungserfahren gegen die Kirchenleitung

Pfarrer Scheidacker und Gemeindepädagoge Hikel hatten im letzten Jahr den Kompromiss in dem auf der Grundlage des landeskirchlichen Strategiepapiers „Salz derErde“ modellhaft umgestalteten Reformkirchenkreis Wittstock-Ruppin der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz(EKBO) ermöglicht, den der Gemeindebund und die selbständigen Gemeinden der Sprengel Papenbruch und Zechlin gefordert hatten.
Daraufhin beantragte der Kreiskirchenrat die Abberufung von Pfarrer Scheidacker und Gemeindepädagogen Hikel wegen angeblich fehlenden gedeihlichen Wirkens in der Gemeinde. Bischof Dr. Wolfgang Huber beteiligte sich persönlich mehrfach und bis hin zum „Wort an die Synode“ am Abberufungsverfahren. Pfarrer Scheidacker ließ sich jedoch nicht beeindrucken, sondern führte den letztlich von der Kirchenleitung erlassenen Abberufungsbescheid der kirchengerichtlichen Kontrolle zu.
Das Kirchengericht unter dem Vorsitz des VRiBVerwG Golze gab Pfarrer Scheidacker jetzt unter reger Anteilnahme der kirchlichen Öffentlichkeit im Plenarsaal des OVG Berlin-Brandenburg Recht. Es hob die Abberufung auf, weil der Kreiskirchenrat es unterlassen hatte, Pfarrer Scheidacker vor dem Beschluss über den Abberufungsantrag anzuhören.
Da sich der Kreiskirchenrat mit seinem Beschluss in Richtung Abberufung festlegte, war der Anhörungsfehler nicht im weiteren Verfahren zu heilen, sondern es ist aus der Sicht des Gerichts zwingend erforderlich, dass ein Abberufungsverfahren wirklich mit der Anhörung des betroffenen Pfarrers beginnt.
Pfarrer Scheidacker ließ das Konsistorium sogar auf die fehlende Anhörung hinweisen, aber das Konsistorium hielt die Anhörung für entbehrlich, was ihm nun auf die Füße gefallen ist. Es ist zu erwarten, dass das Urteil rechtskräftig werden wird, denn es entspricht der obergerichtlichen Rechtsprechung. Pfarrer Scheidacker steht in rechtlicher Hinsicht bei Eintritt der Rechtskraft so, als hätte es nie ein Abberufungsverfahren gegen ihn gegeben.
Die Konsequenzen sind vielfältig. Das Konsistorium und der Superintendent sind offenbar fest entschlossen, ein erneutes Abberufungsverfahren gegen Pfarrer Scheidacker anzustrengen. Dies wäre in hohem Maße ungewöhnlich und kontraproduktiv, bedenkt man den damit verbundenen riesigen Verwaltungsaufwand und den fortdauernden Unfrieden in der Gemeinde, im Kirchenkreis und in der ganzen Landeskirche. Hört man ferner, dass alles in ganz kurzer Zeit über die Bühne gehen soll, zeichnen sich die nächsten Verfahrensfehler schon ab.
Es wäre die Stunde des Kompromisses. Aber Konsistorium und Superintendent sind nur unter der Bedingung zu einer Einigung bereit, dass Pfarrer Scheidacker seine Gemeindepfarrstelle aufgibt. Das ist für Pfarrer Scheidacker jedoch nicht akzeptabel, da er damit im Ergebnis seine Abberufung selbst bewilligen würde. Es zeigt aber, dass es dem Konsistorium und dem Superintendenten überhaupt nicht um die pfarramtlichen Dienste in der Gemeinde geht, die sie ihm in Manker-Temnitztal lassen würden, wenn er sie nur nicht gerade als Inhaber einer Gemeindepfarrstelle im Kirchenkreis tut, sondern dass es ihnen allein darum geht, Pfarrer Scheidacker aus allen Gremien des Kirchenkreises und der Landeskirche herauszudrängen, die ihm seine Gemeindepfarrstelle vermittelt und die ihm ein besonderes kirchenpolitisches Gewicht geben.
Damit sind wir wieder am Anfang, an dem die nach dem landeskirchlichen Strategiepapier „Salz derErde“ modellhaft vorgesehene Kirchenkreisreform in Wittstock-Ruppin steht, und bei dem dort erreichten Kompromiss, der bis 2013 befristet ist. Dass die Abberufungsverfahren hiermit nicht im Zusammenhang stehen sollen, wie es Bischof Dr. Wolfgang Huber behauptete, verschließt sich nach allem dem Verständnis.
Für den Vorstand des Gemeindebundes
Berlin, den 15. Sept.2010
Georg Hoffmann
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