GEMEINDEBUND
Inhalt
Dezember 2007
Jan./Febr. 2008
April 2008
Juni 2008
August 2008
Oktober 2008
November 2008
Januar 2009
Januar 2009
Juli 2009
Juli 2010
September 2010
September 2010
Februar 2011
März 2011
März 2011
Juni 2011
Juni 2012
September 2012
November 2012
Forum
Meinungen
verschwindend gering
Auf Leitungsebene scheint es geboten, sich vom Gemeindebund zu distanzieren, so Uwe Breithor (Michendorf).
MAZ: Wie stehen Sie persönlich zu den Bestrebungen des von Kollegen ins Leben gerufenen „Gemeindebundes“, der die Fusion kritisch sieht?
Breithor: Die Zahl der Gemeinden, die sich daran beteiligen, ist landesweit verschwindend gering. Es ist sicher legitim, eine andere Meinung zu haben. Aus theologischer Sicht habe ich damit aber ein Problem.
MAZ: Warum?
Breithor: Weil der Begriff Gemeinde nicht mit der Ortsgemeinde identisch ist, sondern eine geistliche Gemeinschaft beschreibt.
Aus der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom 10.11.2008; Uwe Breithor steht dem Kirchenkreis Beelitz-Treuenbrietzen vor.
„Es kommt gegenwärtig vor allem darauf an, die Ortsgemeinden mitsamt ihren Pfarrern und Pfarrerinnen wie auch ihren Kirchenvorstehern und Kirchenvorsteherinnen zu einem neuen Selbstbewusstsein zu ermutigen, damit sie den permanenten Diffamierungen der Ortsgemeinde (z.B. „Salz der Erde“, S. 66ff) widerstehen können, die sich dann auch handfest in Stellenkürzungen und verminderten Mittelzuweisungen auswirken.“
Christian Möller
Wie sollte … Jesus Christus die Herrschaft und die kritische Macht seines Namens entfalten können, wenn die „Kirche der Freiheit“ eine Kirche der Macher ist, deren Credo lautet: „Auf Gott vertrauen und das Leben gestalten“? Das „Gottvertrauen“ ist in diesem Credo eigentlich nur ein Durchlauferhitzer für die eigene Freiheit zur Gestaltung, auf die es in Wahrheit ankommt, denn für Gott gibt es eigentlich in diesem Papier gar nichts zu tun.
Christian Möller
In Augenhöhe
Im Oktober 2008 trat die Gemeinde der Luisenkirche in Charlottenburg dem „Gemeindebund“ bei. Wir fragten die Delegierten nach den Gründen. „Wir stehen dem Papier ‚Salz der Erde‘ durchaus aufgeschlossen gegenüber“, sagten sie. „Wir verstehen es nämlich als eine Diskussionsgrundlage, weiter nichts. Aber wir wünschen uns, dass das, was damit geschieht, dann auch in Augenhöhe verabredet wird!“
Keine explizite Rolle
Auf Nachfrage der Märkischen Allgemeinen Zeitung erklärte der Pressesprecher der EKBO, Dr. Volker Jastrzembski, der Gemeindebund spiele bei der Begleitung der Reformprozesse für die Kirchenleitung „keine explizite Rolle“. Dies unterscheidet die Gesprächslage in unserer Kirche grundlegend von anderen Landeskirchen, in welchen sich neu bildende Initiativen wenn nicht begrüßt, so doch zumindest ins Gespräch hineingenommen werden (so zum Beispiel in Kurhessen-Waldeck die Aktion „Kirche im Dorf“)
Fusionen
„Welchem Zweck dient denn die Fusion der Kirchenkreise? Da die inhaltliche Arbeit in den Gemeinden gemacht wird, kann das doch finanziell wenig bringen, und ideell schon gar nichts. Aber vielleicht hoffen die Betreiber dieser Fusion ja eher, dass dieser "Superkirchenkreis" noch besser Druck auf die einzelnen Gemeinden ausüben kann, indem man denen, die später bei Gemeindestillegungen oder -fusionen nicht "mitspielen" wollen, einfach die Mittel vorenthält – dazu braucht es die Kirchenleitung nicht mehr.“
Fundort: Forum der Märkischen Allgemeinen Zeitung, Leserbeitrag
Kirchliche Beschlüsse kritisch prüfen
Im Gemeindebund ist man der Meinung, dass es sich lohnen kann, kirchliche Beschlüsse kritisch zu prüfen – und bei Bedarf auch eigene Pläne zu entwickeln.
Benjamin Lassiwe: „Verwaltung weckt Phantasie“ im Rheinischen Merkur, Christ und Welt vom 13.11.08
Mockturtle-Suppe
Robert Leicht schreibt im Tagesspiegel vom 24. November zu der zu erwartenden Niederlage im Kampf um die Unterschriften für „Pro Reli“:
„… wenn die Protestanten der Hauptstadt nicht nur pro forma registriert, sondern für eine Überzeugung engagiert sein sollten, die ihr Leben prägt, dann müsste ihre Stimmabgabe für das Volksbegehren in der Tat eine Selbstverständlichkeit sein. Sollte es nicht so sein, müssten sich die Kirchenleitungen und an der Sache interessierte Zeitgenossen über noch Ernsteres Gedanken machen als über ein möglicherweise verlorenes Volksbegehren, nämlich über die Frage: Was ist ein institutionelles Gebäude noch wert, in dem kein Geist, jedenfalls kein esprit de corps mehr weht?
Heinrich Heine hatte gespottet, in Berlin könne man ein Christentum ganz ohne Jesus Christus antreffen, wie Mockturtle-Suppe, also Schildkrötensuppe, ohne echte Schildkröte darin. Sollte er mit seiner Diagnose eines in der Breite substanzlosen Protestantismus immer noch recht haben?“
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