GEMEINDEBUND
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Forum
Sind die „Glaubenssätze“ falsch? – von Martin Gestrich
Die Glaubenssätze sind einer der Hauptangriffspunkte der Konzeption des Gemeindebundes. Das kann man als Kompliment auffassen oder als ernstzunehmenden Einwand … Viele Kritiker bestreiten, dass die Ordnung der Kirche Gegenstand einer Glaubensüberzeugung sein kann. Sie gehen demnach davon aus, dass Form und Inhalt sich voneinander trennen lassen – und dass es Sache der Theologie ist, über die Inhalte nachzudenken, während die Ordnungen, in denen Verkündigung, Unterweisung, Diakonie etc. sich ereignet, eine rein organisatorische Angelegenheit sind. Wir hingegen sagen: Das muss stetig aufeinander bezogen werden, sonst geht es der Kirche schlecht. Luther hat seinen Beitrag zur Reformation der Kirche auch nicht allein aus pragmatischen Erwägungen über die Finanzlage und die Außenwirkung, corporate identity und Qualitätsmanagement gemacht. Für ihn war das, was er den Gemeinden an die Hand gegeben hat (zum Beispiel der „Kleine Katechismus“ im Zusammenhang mit den Visitationen), eine explizit theologische Aufgabe …
Besonders umstritten ist die Formulierung: „Die Gemeinde ist die örtliche Gemeinschaft derer, die Christus nachfolgen wollen.“ „Es gibt nicht nur Ortsgemeinden“, lautet der Einwand. Das ist uns klar: Es gibt Anstaltsgemeinden. Es gibt die Gemeinden der Spezialseelsorge, Studentengemeinden und manches mehr. Aber auch diese versammeln sich regelmäßig an einem Ort, unter einer Kanzel und an einem Altar. Die Kristallisation, die Gemeinschaftsbildung, geht aus dem hervor, was Wort und Sakrament stiften.
Der Gemeindebund setzt also nicht die Parochie absolut. Aber er geht mit dem zweiten Glaubenssatz gegen ein Gemeindeverständnis in Stellung, das Gemeinde als etwas Anlassbezogenes, auf einen einzelnen „Event“ Abgestelltes versteht. Wenn eine bunte Festgesellschaft ein familiäres Ereignis in der Kirche begeht oder wenn anlässlich eines Festes aus allen möglichen Bereichen Menschen zusammenkommen, um sich anschließend wieder zu zerstreuen: Eine solche Versammlung kann nicht im Vollsinn des Wortes Gemeinde sein.
Damit richtet sich der Satz ausdrücklich gegen die Fokussierung des gottesdienstlichen Lebens, wie sie auf den ersten Seiten von „Salz der Erde“ vorgenommen wird: Da gibt es zielgruppenorientierte Gottesdienste, Gottesdienste im Lebensrhythmus, Gottesdienste an besonderen Orten und anlässlich besonderer Ereignisse (S.15). Der Gemeindegottesdienst wird nur kurz erwähnt: „An den klassisch-liturgischen Gottesdiensten am Sonntagvormittag nehmen überwiegend Ältere und kirchlich hoch verbundene Mitglieder teil“ (S.16) Es ist nur folgerichtig, dass das Reformpapier überhaupt in Frage stellt, dass Gemeinde Gemeinschaft sein will (S.67).
Eine Verfechterin von „Salz der Erde“ hat (sinngemäß) neulich gesagt: „Kirche wird immer sein, auch wenn es keine Gemeinden mehr gibt. Keine Sorge!“
In diese Gesprächslage hinein ist also der zweite Glaubenssatz formuliert! Wir halten es für notwendig, dem Reformpapier an dieser Stelle etwas entgegenzusetzen!
Sollten wir nun, um unnötigen Missverständnissen vorzubeugen, das Wort „örtlich“ durch einen Begriff wie „verbindlich“ ersetzen, sodass der Satz z.B. lauten würde: „Die Gemeinde ist die verbindliche Gemeinschaft derer, die Christus nachfolgen wollen“? Diese Frage stelle ich hiermit zur Diskussion.
Martin Gestrich
Pfr. Jann A. Branding (Zechliner Land) schreibt dazu:
„Der 2. Glaubenssatz, Gemeinde als örtliche Gemeinschaft, ist richtig. Wo auf der ganzen Welt findet man eine evangelische Kirche, wo das anders ist? Und immer wählt die Ortsgemeinde ihren Pfarrer … in Indien, in Japan, in Südafrika, in Pennsylvanien usw. … nur in Deutschland soll sich das jetzt ändern …
Entscheidend ist für mich aber immer das neue Testament: Alles, was dort geschrieben ist, richtet sich an örtliche Gemeinden (Korinth, Rom, Galatien, Thessalonich, Philippi), „an den Enger der Gemeinde in Smyrna schreibe …“, usw. bzw. an die Leiter der entsprechenden örtlichen Gemeinden, oder Einzelpersonen (Timotheus bei Lukas) nie an die Gesamtkirche, das haben erst die gemacht, die den Kanon geschaffen haben, und auch die hatten die vielen Einzelgemeinden vor Augen und was für die gut ist.
Das Evangelium richtet sich immer an konkrete Menschen an konkreten Orten, ist nie abgehoben überzeitlich, überörtlich!“
RA Georg Hoffmann (Berlin) schreibt:
„Der Vorschlag, im 2. Glaubenssatz statt „örtliche“ Gemeinschaft „verbindliche“ Gemeinschaft zu setzen, würde den Glaubenssatz zu einem Allgemeinplatz degradieren. Nicht eine bloß gedachte Gemeinschaft, sondern nur eine körperlich existente Gemeinschaft ermöglicht es, die Sakramente zu gebrauchen. Gemeinde ist also weder die Landeskirche noch eine Rundfunkgemeinde. Die zusammengekommene Gottesdienstgemeinde ist nur Gemeinde, wenn sie sich nach dem Gottesdienst nicht gleich wieder auflöst, sondern als Gemeinschaft weiter auf dem Weg der Nachfolge Christi bleibt. Nur so kann es im übrigen Dienste in der Gemeinde geben (vgl. den 3. Glaubenssatz).“
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