GEMEINDEBUND
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Forum
Zwei oder drei – von Karl Barth
Die Kirche ist bedroht. So bedarf sie der Erhaltung. Erhaltung der Kirche muss aber offenbar heißen: Erneuerung ihres Seins als Ereignis, Erneuerung ihrer Begründung, Erneuerung ihrer Versammlung als Gemeinde. Da es bei der faktisch akuten Bedrohung der Kirche im Einzelnen und im Ganzen um ihr Sein oder Nichtsein geht, kann weniger als Erneuerung, kann bloße Unterstützung, Hilfe, Verbesserung und dergleichen zur Erhaltung nicht genügen.
Die Erhaltung und also die Erneuerung und also Reformation der Kirche kann aber nur von ihrem lebendigen Herrn herkommen. Die vom Tode bedrohte Gemeinde kann nur durch ihn vor dem Tode bewahrt, die schon tote Gemeinde nur durch ihn mitten aus dem Tode heraus zu neuem Leben erweckt und errettet werden.
Sie kann auf den guten Willen, auf die Frömmigkeit, auf die Ideale der Christen keine gewisse Hoffnung setzen. Das alles ist der Bedrohung ausgesetzt und schon verfallen. Das alles, der ganze menschliche Bereich der Kirche bedarf der Erneuerung und kann also nicht Quelle der Erneuerung sein. Er, Jesus Christus, der keiner Bedrohung untersteht und keiner Erneuerung bedürftig ist – er, der Herr, ist die Hoffnung der Kirche.
Dass er – er allein – ihre Hoffnung ist, das ist's, was die Kirche in ihrer Ordnung … zum Ausdruck zu bringen hat. Die Ordnung der Kirche muss auf alle Fälle so beschaffen sein, dass sie der Erneuerung der Gemeinde durch ihren lebendigen Herrn die denkbar geringsten Widerstände bietet, der durch ihn zu vollziehenden Reformation gegenüber auf der menschlichen Seite ein Maximum von Offenheit, Bereitschaft und Freiheit sicherstellt. Das Kriterium zur Bewertung einer Kirchenordnung ist mithin die Frage, ob sie das leistet oder nicht leistet.
Der lebendige Herr, Jesus Christus hat es unmittelbar mit seiner lebendigen Gemeinde zu tun: nicht mittelbar, nicht durch ein so oder so angeordnetes Repräsentationssystem, nicht auf dem Wege eines von Menschen ausgedachten Instanzenzuges.
Kirche ist da und nur da, „wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen“, und also in der sichtbaren – sich selbst und anderen sichtbaren Gemeinde … Hier lebt sie, oder sie lebt gar nicht.
Eine Kirchenordnung, die nicht von der Anschauung und vom Begriff der Gemeinde her entworfen ist, ist ihres Namens nicht wert. Sie kann nur Unordnung und darum nur Unheil stiften: umso mehr, je konsequenter sie von anderswoher entworfen ist.
Aus: Die Kirche – die lebendige Gemeinde des lebendigen Herrn Jesus Christus, Theologische Existenz heute, NF 9 (1947), 16ff. 19ff
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