GEMEINDEBUND
Inhalt
Dezember 2007
Jan./Febr. 2008
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Februar 2012
Februar 2012
März 2012
August 2012
Bericht
Lobby für die Gemeinden
Kirche Fockbek „Kirche ist die Gemeinde, nicht der Kirchenkreis oder eine übergeordnete Institution!“, war der einhellige Tenor des Treffens von Interessenten eines „Freien Forums Ortsgemeinde“ am Sonnabend, dem 18. Februar 2012, im Gemeindehaus der evangelischen Fockbeker Kirchengemeinde. Begonnen wurde mit dem Lied 612: „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit … bleibe bei uns Herr … sonst sind wir allein auf der Fahrt durchs Meer!“ Die Bitte scheint nicht unbegründet, denn die weitere Fahrt durch das Meer könnte stürmisch werden.
Dr. Dietrich Stein stellte heraus, dass christliches, menschliches Leben nur möglich sei in überschaubaren Gemeinden. Er wies auf den hohen Stellenwert der Ortsgemeinde hin. „Gemeinde bedeutet Kirche vor Ort, wo sich die Menschen kennen. Kirche sind wir! Es geht um Menschen, nicht um Massen! Eine lebendige Kirche wächst aus der Ortsgemeinde. Strukturen sind nur zur Unterstützung nötig, können aber nicht leben. Der Kirchenkreis wurde zu einem Instrument unserer Kirche, das steuert. Soll das so sein?“
Vertrauensvoll haben die Gemeinden über Jahre hinweg in Synoden scheibchenweise Verantwortung delegiert, haben die Kirchenkreisverwaltungen gestärkt und entdecken nun, dass sich die Verhältnisse vor allem für die kleinen Gemeinden grundlegend verschoben haben. Die über 70 Anwesenden tauschten ihre unterschiedlichen Erfahrungen aus und machen in ihrer Erklärung deutlich:
„In den letzten zehn Jahren des Nordelbischen Reformprozesses haben viele von uns negative Erfahrungen mit einem unübersehbaren Trend zur Zentralisierung und Hierarchisierung der kirchlichen Strukturen gemacht. Einige der neu fusionierten Kirchenkreise haben – oft gegen den erklärten Willen der Betroffenen – Regionalisierungen bzw. Fusionierungen von Ortsgemeinden durchgesetzt. Die Macht der mittleren Ebene scheint auf Kosten der Ortsgemeinden zu wachsen. Die Kirchenkreise und Pröpste werden mit Befugnissen ausgestattet, die beginnen in die Selbstständigkeit der Kirchengemeinden und der Pastorenschaft einzugreifen. Eine betriebswirtschaftliche Sprache prägt das Miteinander. Finanzielle Sachzwänge, ein steigender Verwaltungsaufwand und eine nicht endende wollende Strukturdebatte bestimmen das kirchliche Leben. Es scheint, als würden Reformüberlegungen des Strategiepapiers ‚Kirche der Freiheit‘ Stück für Stück umgesetzt, – ohne grundlegende Beschlüsse und ohne Prüfung der regionalen Auswirkungen. Scheinbare Sachzwänge, z. B. negative Finanzprognosen, die sich mittelfristig nicht bestätigen, werden als politische Druckmittel eingesetzt. Ein weiterer Sachzwang kommt unausweichlich hinzu: der zukünftige Pastorenmangel.“
„Arm und Schwach haben mit Gottes Hilfe immer überlebt“, führte Pastor Jann Brandig vom Gemeindebund Berlin-Brandenburg aus. Im Januar 2008 beginnend, wurde dort mit 80 % Ja-Stimmen der Kreissynode für zunächst fünf Jahre beschlossen, probeweise 55 Kirchengemeinden in der Nähe Rheinsbergs zu einer riesigen „Kirchenkreisgemeinde“ mit 14 Pfarrern zusammenzuschließen. Die Städte wurden zu so genannten „Leuchttürmen“ für kirchliche Arbeit erklärt und der Konfirmandenunterricht fand zentral statt. 25 dörfliche Kirchengemeinden, die damit nicht einverstanden waren, wurden zwangsfusioniert. Heraus kam dabei die Aufteilung der Pfarrdienste in Grundversorgende und Allgemeine „aufgabenbezogene“ – was in der Praxis nicht funktionierte. „Zuerst sind es die Menschen in meiner Gemeinde, für die ich arbeite!“ Einige Elemente dieser teils erzwungenen Reform mussten nach Kirchengerichtsprozessen zurückgenommen werden und Pastor Branding freut sich, nun wieder in den Kirchdörfern seine Konfimandinnen und Konfirmanden unterrichten zu dürfen. „Die Verantwortung muss vor Ort bleiben“, stellt er fest, „Wir wollen unsere Kirche von den Gemeinden aus aufbauen – so wie Luther es forderte. Wir wollen unsere Gemeinde erhalten! Das bedeutet, dass die Menschen in erreichbarer Kilometerzahl die Sakramente erhalten können. Paulus ist zu den Menschen gefahren. Er hat nicht gewartet, bis sie zu ihm gekommen sind!“
Große Einigkeit herrschte in der Versammlung, sich über die weitere Entwicklung der Kirchenreform gegenseitig zu informieren. Eine entsprechende Internet-Seite wird eingerichtet. Weiteres Resultat des dreistündigen Treffens: In jedem Kirchenkreis der künftigen Nordkirche soll eine „Initiativgruppe Ortsgemeinde“ gründet werden, in der die jeweiligen Fragen regional diskutiert und aus der heraus wichtige Anliegen in die örtlichen Kirchenkreissynoden eingebracht werden können. Sie wollen eine Lobby für die Gemeinden sein, die aufruft: „Lasst uns die Ortsgemeinde stärken!“
Das nächste Treffen wird stattfinden
am 1. September 2012
ab 10 Uhr
in Hamburg-Eilbeck
E-Mail-Kontakt:
(PDF) Gründungserklärung
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