GEMEINDEBUND
Inhalt
Dezember 2007
Jan./Febr. 2008
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Sommer 2008
September 2008
November 2008
März 2009
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Oktober 2011
Februar 2012
Februar 2012
März 2012
August 2012
Bericht
Aufbruch zur Ortsgemeinde
Unter dem Thema „Aufbruch zur Ortsgemeinde“ trafen sich am 25. September mehr als 75 Teilnehmer in der Luisenkirche Berlin-Charlottenburg. Es waren Delegierte und Gemeindeglieder der im „Gemeindebund“ zusammengeschlossenen 43 Gemeinden aus der Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Nach dem Abendmahlsgottesdienst mit der Predigt des gastgebenden Pfarrers Klaus Kurt Raschkowski versammelte man sich im Gemeindehaus zum Vortrag des aus Heidelberg angereisten Professors für Praktische Theologie, Dr. Christian Möller. Er ist als engagierter Kritiker des im Jahre 2006 erschienenen EKD-Reform-Papiers „Kirche der Freiheit“, bekannt (zuletzt auch als Autor des 2009 erschienenen Buches „Lasst die Kirche im Dorf!“).
Der Inhalt seines Vortrags, in dem er auch auf die zunehmende öffentliche Kritik an technokratischen „Reformen“ vom grünen Tisch in anderen gesellschaftlichen Bereichen wie Stuttgart 21, „Bologna“-Prozess an den Universitäten, Schulreform in Hamburg verwies, gipfelte in zehn Thesen, in denen er dazu aufruft, von der Mitte des Evangeliums her andere Wege der Kirchenreform und des Gemeindeaufbaus mit überschaubaren Gemeinden zu wagen und zu erproben. Er hofft dafür auf einen „konstruktiven Weg mit der Landeskirche“.
Professor Möller machte den im Gemeindebund engagierten Gemeindevertretern, Pfarrern und anderen kirchlichen Mitarbeitern Mut, sich weiter für eine Gemeindereform von unten einzusetzen und nicht zu resignieren. Dabei verweis er unter anderem auf Stellungnahmen des Reformators Martin Luther, in denen dieser 1527 den hessischen Landgrafen Philipp vor einer gesetzlichen Reform von oben warnte und eher zu einer Veränderung der Kirche von den Gemeinden aus in einer Art Erprobungsverfahren riet.
Turm der Luisenkirche In der Versammlung wurde auch über den Stand der Auseinandersetzungen über Maßnahmen innerhalb der Landeskirche berichtet. Das Mitglied des Vorstands Rechtsanwalt Georg Hoffmann erhielt für seinen Einsatz in dem gestoppten Abberufungsverfahren des Pfarrers Stephan Scheidacker aus Manker/Temnitztal den dankbaren Beifall der Versammelten. Er verwies auf erste Erfolge bei der Ausarbeitung von tragfähigen Kompromissen im Kirchenkreis Wittstock-Ruppin und Stadtmitte (Pfingst-Kirchengemeinde) und bei der Abwehr negativ zu bewertender Reformmaßnahmen (Zwangsfusionen von Gemeinden, unsachgemäße Abberufung von Gemeindepfarrern wie Pfarrer Scheidacker).
Für die Zukunft äußerte er den Wunsch nach stärkerer Einbindung der Mitgliedsgemeinden des Gemeindebundes, worum ein Teil des Vorstandes sich bemühen soll. Er registriert voll Hoffnung, dass der Gemeindebund bereits zu einer Klimaänderung in der Landeskirche beigetragen hat: Reformmaßnahmen werden offenbar nicht mehr aufoktroyiert, eine Onlineumfrage zum Reformprozess ist gestartet worden, der Pfarrtag der EKBO fand in einer anderen Atmosphäre statt, Frau Prof. Haberer wurde in den Herausgeberkreis der Wochenzeitung „Die Kirche“ berufen; schließlich seien Schwesterbewegungen zum Gemeindebund in zahlreichen anderen Landeskirchen in Entstehung begriffen bzw. bereits gegründet („Aufbruch Gemeinde“ in Bayern, „Kirche im Dorf“ in Hessen, Initiativen in Hannover und in der Nordkirche).
Der Vorstand des seit 2008 bestehenden Gemeindebundes wurde von den Delegierten für zwei weitere Jahre in seinem Amt bestätigt. Es sind Pfarrer Martin Gestrich, Rechtsanwalt Daniel Friedrichs und die Gemeindepädagogin Gabriele Maetz. Darüberhinaus werden Beisitzer den Vorstand weiter verstärken.
Die Zielsetzung des Gemeindebundes ist es nach eigener Auskunft, „das Zusammenwirken von Kirchengemeinden zu fördern und zu koordinieren“. Grundlegend ist die „Überzeugung, dass die Kirche in der Kraft des Heiligen Geistes durch das gebaut wird, was selbständige Gemeinden alleine und gemeinsam tun können und tun wollen. Das gilt für die Gremien ebenso wie für die Verwaltung, die Lehre und die Dienste der Nächstenliebe. Die Gemeinde ist Leib Christi und Geschöpf des Heiligen Geistes. Die stets notwendige Erneuerung des kirchlichen Lebens muss von den Gemeinden ausgehen.“
Zur Umsetzung dieser Ziele gehören: Hilfestellung für kleinere, von Fusion bedrohte Gemeinden, gegenseitige Besuche von Gemeinden sowie Rechtsbeistand für Pfarrer, die von Disziplinarverfahren bedroht werden.
Bericht: Kurt Kreibohm
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