GEMEINDEBUND
Inhalt
Dezember 2007
Jan./Febr. 2008
April 2008
Mai 2008
Sommer 2008
September 2008
November 2008
März 2009
September 2010
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Oktober 2011
Februar 2012
Februar 2012
März 2012
August 2012
Berichte
Der Weg der anderen – von Bernhard Hoppe
Das dritte Treffen des Gemeindebundes am 15. März verschaffte den Teilnehmern einen Überblick über bestehende und bereits erprobte Gemeindebund-Modelle. Gäste aus zwei Freikirchen, Pfr. Frank (Baptisten), Pfr. Schöniger (Freie evangelische Gemeinden) und ein Referent aus der reformierten Gemeinde (Pfr. Hachfeld) stellten in kurzen Referaten die Grundstrukturen ihrer gemeindlichen und übergemeindlichen Arbeit vor. Im zweiten Teil ging es um die Planung der folgenden Treffen des Gemeindebundes.
„Wir rechnen, dass eine Gemeinde mit 80 Gemeindegliedern imstande ist, selbständig zu leben und sich einen eigenen Seelsorger zu leisten“, sagte Pfr. Frank. „Ich muss allerdings hinzufügen, dass bei uns die Zahl der Gemeindeglieder mit der der Gottesdienstbesucher identisch ist.“ Folgerichtig werden Gemeinden, die „zu groß“ werden, d.h. mehrere hundert Gemeindeglieder umfassen (!), geteilt. Klar ist, dass die übergeordneten Ebenen („Bund“) eine rein dienende Funktion haben und dass ihr Mandat von den im Bund zusammengeschlossenen Gemeinden eng umrissen ist. Dabei ist finanzielle Selbständigkeit nicht das Maß aller Dinge. Es gibt Gemeinden, die sich einen Pfarrer teilen, es gibt kleine, die von großen getragen werden, und es gibt missionarische Situationen, in denen der Bund (nach strengen Auflagen und zeitlich befristet) unterstützend wirkt.
Ähnliches berichtete Pfr. Schöniger vom Bund der Freien evangelischen Gemeinden. Ein besonderer Akzent in seinem Vortrag lag auf der Betonung der Verbindlichkeit der Mitgliedschaft. Bei seinem Eintritt erklärt das Gemeindeglied schriftlich und in vorbereitenden Gesprächen, dass und auf welche Weise es zum lebendigen Glauben an Jesus Christus gekommen ist, es äußert sich zu seiner gegenwärtigen Glaubenspraxis und legt dar, in welcher Weise es am Gemeindeleben teilzunehmen gedenkt. Die Beiträge, die jemand leistet, werden nicht öffentlich gemacht, auch wird wegen der Höhe der Beiträge kein Druck auf einzelne ausgeübt. Sehr wichtig ist hingegen, dass bei den Ausgaben größtmögliche Transparenz herrscht. Ansonsten gab Pfr. Schöniger Hinweise auf Kooperationsmöglichkeiten der Gemeinden. Schulungen und Freizeiten zum Beispiel, Kanzeltausch, gemeinsamer Gemeindebrief, gegenseitige Seelsorge und gemeinsames Gebet … Manche Gemeinden gehen so weit, für ihre Vorhaben eine gemeinsame Kasse einzurichten. Auf Nachfrage räumte Pfr. Schöniger ein, dass die finanzielle Abhängigkeit des Pfarrers von der Gemeinde in manchen Fällen Auswirkung auf die Freiheit der Verkündigung haben kann.
Vor dem verwickelten Werdegang der deutsch- und französisch-reformierten Gemeinden in Berlin und Brandenburg nahmen sich die Erfahrungen von Pfr. Hachfeld im Detail etwas anders aus. Hier gibt es Überschneidungen zum rasanten Abbau kirchlicher Infrastruktur auf dem Lande auch in den anderen Teilen der Landeskirche. Was bleibt, ist das hohe Maß an Eigenverantwortung, das die Gemeinden ermutigt, selbst Wege zu suchen, Partnerschaften aufzubauen, und – auch über große räumliche Distanz – zu kooperieren. Auf eine wichtige Erfahrung wies Pfr. Hachfeld hin: Patenschaften von Gemeinden sind dann von Bestand, wenn die finanziell starke Gemeinde selbst einen geistlichen Gewinn von der Begegnung mit der finanziell schwachen Gemeinde hat.
Im zweiten Teil der Begegnung ging es um die Planung der kommenden Treffen des Gemeindebundes. Leitender Gedanke der Diskussion war die Frage, wie Partnerschaft in der Praxis entwickelt werden könnte. Mitten in der Ratlosigkeit entstand die Idee, am 21.6.2008 in einer der gegen die Reform im Kirchenkreis Wittstock-Ruppin klagenden Gemeinden mit Gästen aus anderen Gemeinden Gottesdienst zu feiern und ins Gespräch zu kommen (siehe Termine). Eingeladen sind dazu Gemeindeglieder aus der ganzen Landeskirche.
Es traf sich gut, dass Herr Rechtsanwalt Hoffmann anwesend war und als rechtlicher Vertreter der klagenden Gemeinden vom gegenwärtigen Stand des Verfahrens vor dem kirchlichen Verwaltungsgericht berichten konnte. Ein erster Erfolg des Verfahrens besteht darin, dass die Fusion der klagenden Gemeinden zu einer Großgemeinde bis zur endgültigen Entscheidung des Gerichts nicht vollzogen werden darf. Herr RA Hoffmann unterstrich die Bedeutung der Frage, inwiefern die Aufteilung der Gemeindearbeit in einen ortsbezogenen und einen aufgabenbezogenen Dienst kirchenrechtlich und theologisch zulässig ist. Aus der in den klagenden Gemeinden angewandten Strukturanpassungs- und Erprobungsverordnung ergeben sich grundlegende Anfragen an das Verständnis von Gemeinde und Amt. Die Diskussion zeigte, welch große Herausforderung darin liegt, strukturelle, finanzielle und theologische Fragen nicht isoliert voneinander zu betrachten und bei alledem nahe bei den Gemeindegliedern zu sein.
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